Zum Thema : Fair Play

2015 ist unser erfolgreichstes Jahr und dennoch bleibt am Ende des Jahres das 24h Schwimmen von Regensburg als Negativ-Beispiel für Fair Play bei 24h Schwimmen.

 

Geht es im Sport nur um das Gewinnen ? Um das Gewinnen um jeden Preis mit Herzblut und Kampf oder gibt es im Sport noch mehr ? Gibt es ein faires Gewinnen ? Was bedeutet Fair Play bei 24h Schwimmen ? Was bedeutet Fair Play für uns ?

 

Kennt ihr diese Behauptungen auch :
... man kann doch nicht immer Rücksicht nehmen 
... die anderen beschummeln ja auch
... jetzt müssen wir auch richtig zulangen und härter kämpfen ?
 

Mich erstaunt es immer wieder, dass gerade im Fussball der Begriff des Fair Play besonders betont wird. In einem Sport, in dem die Hand Gottes ein entscheidendes Tor im WM Viertelfinale gegen England macht und Woche für Woche zahlreiche Elfmeter geschunden werden, in dem Männer und Millionäre regelmäßig vor und im Strafraum theatralisch zu Boden gehen.

Erinnert ihr Euch an Jan Ulrich, wie er bei der Tour de France im Juli 2003 auf Lance Armstrong gewartet hat ? Er bekam dafür die Fair Play Plakete der deutschen olympischen Gesellschaft. Im Sommer 2006 werden erstmals Dopingvorwürfe an Jan Ulrich gestellt. Lance Armstrong werden seine 7 Tour de France Siege wegen Dopings aberkannt. War das auch Fair Play gegenüber den anderen Sportlern ?

 

Was ist Fair Play für uns ? Hans Lenk (Olympiasieger im Rudern) schreibt bereits 1964 in seinem Buch "Werte-Ziele-Wirklichkeit der modernen Olympischen Spiele"

 

Formelles Fairplay (Fairness) gebietet die Anerkennung und Einhaltung der Wettkampfregeln.

 

Während das informelle Fair Play auch verlangt den partnerschaftlichen Umgang mit dem Gegner, auf gleiche Chancen und Bedingungen zu achten, das Gewinnmotiv zu „begrenzen“ (kein Sieg um jeden Preis) und die Haltung in Sieg und Niederlage zu bewahren.

 

Kann man Fair Play bei 24h Schwimmen üben ? Wir schwimmen alle nur für uns und für die Anerkennung unserer Leistung. Das Wettkampfgericht besteht aus Freiwilligen, die sich unzählige Stunden bemühen, bahngenau zu zählen. Was bedeutet es, wenn ich 2 km zuviel auf meiner Karte habe ? Heisst das, dass jemand anderes 2 km weniger hat ? Wie verhalte ich mich, wenn ich mit 5 km zuviel bewertet wurde ? Was bedeutet es einen Sieg durch Beschummeln, Lug und Trug zu erzielen, weil man gerissen genug war, mit einem Kugelschreiber weitere Meter auf der Zählkarte hinzuzufügen und das Wettkampfgericht und die Mitschwimmer zu betrügen und zu täuschen ? Kann man sich darüber freuen ? Was überlebt in den Gedanken des Betrügers ? Was bleibt für eine Meinung in der Öffentlichkeit und in den Medien ? Wie soll und darf sich der Betrogene fühlen ?

 

Der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker sagte zum Thema Fair Play:
„Verlangt ist nicht nur die formelle Beachtung von Regeln. Nie werden geschriebene Regeln die menschliche Haltung des ‚Fair Play‘ ersetzen können. Der Sportler, der das Fair Play beachtet, handelt nicht nach dem Buchstaben, er handelt nach dem Geist der Regeln“. 

 

Fair Play ist also ein Begriff, der ein bestimmtes sportliches Verhalten kennzeichnet, das über die reine Einhaltung von Regeln hinausgeht. Es beschreibt die Haltung des Sportlers, den Respekt vor dem sportlichen Gegner sowie die Wahrung seiner physischen und psychischen Unversehrtheit. Der sportliche Gegner wird als Partner gesehen oder zumindest als Gegner, dessen Würde es zu achten gilt.

Bei 24h Schwimmen kann uns das sehr gut gelingen, bei Boxern und Judokämpfern fällt es mir schwer, an die physische und psychische Unversehrtheit zu glauben. Aber es geht um den Respekt und die Würde im Sport und auch bei unseren 24h Schwimmen, mit Respekt die Leistung des Anderen zu akzeptieren und wert zu schätzen. Es geht nicht darum, durch Betrug und Täuschung zu gewinnen. Bei aller Emotion und Team-Spirit, auch die anderen Sportler und Teams fair und würdig zu behandeln. 


Für unseren Wettkampf in Regensburg hätte ich mir gewünscht, dass die Sportler, die beschummelt und betrogen haben, ihre Tat gestanden hätten und schließlich konsequent disqualifiziert worden wären. Das Wettkampfgericht hat nach Vernehmung des Trainers und der Sportler jedoch anders entschieden. Jetzt ist es an uns, Haltung in der Niederlage zu wahren und nicht den Sieg am grünen Tisch zu fordern. Fair Play kann ganz schön hart und scheinbar ungerecht sein, aber es fühlt sich gut an, jedenfalls besser als nachzutreten.

 

Ich fordere alle Schwimmer des Teams Warmduscher auf, sich diesem Ehrenkodex zu verschreiben und beim nächsten Wettkampf und 24h Schwimmen auch ihre eigene Leistung zu hinterfragen. Es geht uns nicht um das Siegen um jeden Preis, sondern mit Anstand und Würde. Mit Respekt vor unserem schönen Sport und den vielen unzähligen Metern im Wasser. Um die Freude am Team und um das gemeinsame Miteinander. Wir sind eben etwas anders, als andere Teams. Und wir wollen gemeinsam mit Respekt und Würde gewinnen und über jeden geschwommenen Kilometer aufrichtig stolz sein dürfen. 

Euer Sven
06. Januar 2016

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