Fair Play für Warmduscher

Liebe Warmduscher, 

 

wir blicken auf eine erfolgreiche Saison 2015 zurück, die nicht nur in Mannschaftssiegen messbar ist, sondern auch in der Freude der einzelnen Teammitglieder gemeinsam Ungewöhnliches zu leisten. Die Errungenschaft für mich ist jedoch die kontinuierliche Entwicklung der Warmduscher als Gruppe und Team. Um dieses Wachstum weiter zu fördern, ist es uns ein besonderes Anliegen einige Punkte zu überdenken und gemeinsame Werte zu entwickeln. Dazu gehören auch die Themen Inklusion und Fair Play. Da wir als einzelne Sportler sowohl unser Team als auch unseren Sport würdig vertreten wollen und unseren Mitschwimmern gegenüber respektvoll sein möchten, sind wir verpflichtet, uns als faire Mitschwimmer zu erweisen.

 

"Weißt Du, Sven, es geht im Sport immer um das Schneller, Höher, Weiter und das um jeden Preis." Und die Medien und die Öffentlichkeit suchen dies auch. Sie suchen den Kampf zwischen den Nationen und zwischen zwei oder mehreren Ausnahmesportlern. Ohne Konkurrenz zu sein, wäre ohne Anreiz und Spannung. Deshalb gibt es "kein Fair Play im Sport". Ist das wirklich so ? 

Ein FC Bayern ist ohne starke Borussen oder Werkselfen in der Bundesliga scheinbar ohne Konkurrenz und die 34 Spieltage erscheinen langweilig. Die Motivation und Perfektion in einer Mannschaft von Talenten dabei hochzuhalten und auch Spass und Freude am Siegen haben zu dürfen, ist dabei das Größte, was es im Sport zu erleben gibt. Auch wir haben in 2015 ganze 15 mal bei einem 24h Schwimmen die Mannschaftswertung gewinnen können. Unvorstellbar und absolut unrealistisch, hätte ich gesagt, wenn mich Anfang 2015 jemand danach gefragt hätte. Und wir haben uns gefreut und feste gefeiert, sofern das die Situation nach 24h im Schwimmbad noch zugelassen hat. Oftmals freut man sich nur noch auf das Bett und eine schnelle Siegerehrung. Aber es gibt neben dem Gefühl des Siegens noch mehr im Sport und im Team Warmduscher zu erleben.

 

Diese Erlebnisse finden im sportlichen Miteinander, im gemeinsamen Training, beim gemeinsamen Frühstück oder erschöpft nach einen Wettkampf statt. Auch schon am Beckenrand während eines 24h Schwimmens zeigt es sich, ob ein Team harmoniert und mit dem sportlichen Wettstreit umgehen kann. Wie verhält man sich gegenüber vermeidlichen Gegnern ? Spricht und lacht man auch mit einem Mitschwimmer der anderen Mannschaft ? Hilft man einem anderen Schwimmer, wenn seine Schwimmbrille kaputt gegangen ist oder er zu wenig zu essen dabei hat ? Oder fokusiert und konzentriert man sich nur auf sein Schwimmen ? Die 24h bieten viel Zeit und lassen viele Möglichkeiten zu, auch Respekt vor der sportlichen Leistung des anderen Schwimmers zu zeigen und vielleicht auch nur durch einen Daumen nach oben zu signalisieren. 

 

Uns wurde schon vorgeworfen, ein Monopolist zu sein und alle guten Schwimmer in unser Team zu nehmen, damit wir einfacher gewinnen. Bei den unzähligen professionellen Schwimmvereinen und Gruppen bei 24h Schwimmen trifft dieser Vorwurf des Monopolisten sicherlich nicht zu. Aber wir suchen den sportlichen Wettstreit nicht ohne Respekt und wir wollen das Fair Play in unserem Team auch leben, bei allem schneller, höher, weiter. Deshalb auch das Thema Inklusion und die Betonung auf das "Gemeinsame Schwimmen". 

 

Fair Play im Sport ist nicht unmöglich und gerade bei 24h Schwimmen haben wir mehr als 24 Stunden dafür Zeit, es zu zeigen und schliesslich auch zu leben. Ein paar Beispiele: an der Wende wird es oft eng, man kämpft um etwas Platz, setzt sich neben seinen Mitschwimmer. Nimmt man aber den Arm hoch oder schwimmt mit Absicht auf einen anderen auf, wendet zu eng oder setzt sich zu langsam vor einen schnellen Schwimmer, behindert man diesen Mitschwimmer. Ein Blick über die Schulter vor der Wende hilt uns, den schnelleren Schwimmer frühzeitig zu erkennen und wir können eine etwas verzögerte Wende machen und den Schnelleren leicht an uns vorbei lassen. Mir fällt immer wieder auf, dass die richtige Position bei der Wende, den erfahrenen 24h Schwimmer vom Neuling unterscheidet. Schnelle Schwimmer dürfen links anschlagen, mache ich aber eine Pause oder bin ich der langsamere Schwimmer, schlage ich rechts an. Rollwenden sind bei vollen Bahnen sehr gefährlich und spritzen zudem die Bahnenzähler unnötig nass. Bei vielen 24h Schwimmen sind sie deshalb untersagt. Braucht ihr wirklich eure Rollwende ? Und wenn ja, bitte nicht andere Mitschwimmer damit abschießen.

 

Beim Überholen auf der vollen Bahn kann man den Vordermann leicht am Fuss antippen und damit "Achtung" sagen. Bitte nicht rechts überholen, auch nicht den Mitschwimmer zu eng überholen und ihn bitte auch nicht in die Wellenbrecherleine abdrängen. Vor einer geplanten Pause lohnt sich das Überholen auf den "letzten" 25m überhaupt nicht. Spart Eure Kräfte und bereitet Euch mit niedrigem Puls auf Eure verdiente Pause vor. 

 

Nehmt den Platz auf dem Siegertreppchen wahr, aber gebt Euren Pokal auch mal an Platz 4 weiter. Gewinnt nicht mit 100m Vorsprung, nachdem ihr zuvor 24 Stunden neben einander 40 Kilomter geschwommen seid. Im Hochleistungssport dürfen sie gerne auf Tausendstelsekunden genau messen und zu differenzieren versuchen, aber wir 24h Schwimmer sind doch anders. Geht gemeinsam aufs Treppchen und freut Euch gemeinsam über Eure 40km und hadert nicht wegen 100m. Im Team Warmduscher haben wir eine schöne Tradition: den gewonnenen Mannschaftspokal darf immer die oder der beste Rookie (Neuling) mit nach Hause nehmen und behalten. Das ist für den Rookie eine schöne Erinnerung, es ist aber auch Wertschätzung und Belohnung an eine außergewöhnliche und unerwartete Leistung. Wir sind stolz auf jeden einzelnen Schwimmer und jeden gemeinsamen Kilometer, weil wir aus dem Training wissen, wie schwer auch Kilometer 5 oder Kilometer  6 sein können. Und wenn unser Ehrgeiz und Siegeswillen als Sportler manchmal vielleicht zu groß erscheint, erinnern wir uns an die Freude und Spaß am Sport und lasst uns auch mal Platz 4 gemeinsam feiern. Das Gemeinschafstgefühl und das Fair Play zählen bei uns besonders.

 

Verweigert Euren Gegnern und Mitschwimmern bei der Siegerehrung nicht den Handschlag und bei allen Protesten erkennt bitte auch die Meinung und Entscheidung des Wettkampfgerichtes an. Bitte haltet Euch daran.

 

Falls Ihr Euch unsicher bei Entscheidungen seid oder zu wenig oder zuviel Kilometer auf Euren Zählzetteln habt, bitten wir Euch, genau abzuwägen, ob und wie ihr einen Protest einlegt. Sprecht mit Eurem Team-Kapitän offen darüber und versucht keinen Alleingang. Ich denke, es hat jeder von uns schon einmal erlebt, zuviel auf dem Zählzettel zu haben und kennt dieses beflügelnde gute Gefühl von "geschenkten Kilometern". Habt ihr aber auch den Mut, diese geschenkten Kilometer am Ende des Wettkampfes wieder zurückzugeben ?

 

Ein geübter 24h Schwimmer kennt auch die Situation, zu wenig Kilomter auf seiner Zählkarte vorzufinden. Wie schnell fallen Sätze wie "die können ja nicht zählen, das ist ja unfair..." Ist das nötig ? Verbessert es Eure Situation ? Bitte behaltet den nötigen Respekt gegenüber dem Wettkampfgericht und Euren Mitschwimmern. Vertretet die Warmduscher würdig und freundlich in der Öffentlichkeit und hakt gewisse Fehlentscheidungen und Unsportlichkeiten anderer Sportler und Wettkampfgerichte als wesentliche Erfahrung ab. Weißt das Wettkampfgericht darauf hin, dass Eure Messung vielleicht mit Eurer Bahnenzählenden Uhr, ein anderes Ergebnis aufweist. Am Ende zählt die Entscheidung des Wettkampfgerichtes, denkt dran und lernt es zu respektieren. Es geht uns nicht um das Siegen um jeden Preis, sondern mit Anstand und Würde. Mit Respekt vor unserem schönen Sport und den vielen unzähligen Metern im Wasser. Um die Freude am Team und um das gemeinsame Miteinander. Wir sind eben etwas anders, als andere Teams. Und wir wollen gemeinsam mit Respekt gewinnen und über jeden geschwommenen Kilometer aufrichtig stolz sein dürfen.

 

Gemeinsam schwimmen, gemeinsam gewinnen. 

 

Euer Sven
06. Januar 2016

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